„Klönne erzählt sprachlich anspruchsvoll und doch scheinbar mühelos.“

NORDWESTRADIO

"Mich interessiert nicht das Glatte, die heile Welt. Ich glaube nicht mal daran. Es geht doch um etwas anderes im Leben: Darum nämlich, dass man weitermacht, auch wenn es mal wehtut.“
GISA KLÖNNE

FAQ Fragen

Warum schreiben Sie?

Weil ich Sprache liebe. Weil ich schreibend denke und verstehe. Das ist ein Stück Identität. Nie gehe ich ohne Füller und Notizbuch aus dem Haus. Und natürlich schreibe ich auch, weil Romane ein Lebenselixier sind, von Kindheit an schon.

Warum Kriminalliteratur?

Warum nicht? Mich interessiert aber nicht das Blut, sondern das, was ein gewaltsamer Tod mit den Überlebenden macht. Diese urmenschliche Frage nach dem Sinn des Lebens, wenn wir ja doch sterben. Die gesamte Serie mit Judith Krieger ist eine Entwicklungsreise, ein psychologischer Parforce-Ritt. Durch jeden ihrer Fälle muss sie sich verändern.

Was inspiriert Sie?

Auslöser kann ein Gedanke, ein Satz, eine flüchtige Begegnung sein. Etwas, das mich berührt und nicht mehr loslässt. Wäre ich nicht zu einem Krimifestival in Kolumbien eingeladen worden – ausgerechnet in Pablo Escobars Heimatstadt Medellin – hätte ich DIE TOTEN, DIE DICH SUCHEN nie geschrieben. Andere Ideen reifen über Jahre. So nährt sich DAS LIED DER STARE NACH DEM FROST aus Kindheitserinnerungen. Doch nicht jede Idee ist romantauglich ...

Planen und recherchieren Sie erst oder schreiben Sie drauflos?

Ich plane die Handlung und lege Figurenbiografien an, recherchiere vor Ort und taste mich schreibend ins Innere meiner Protagonisten. Allerdings werden die mit jedem Roman rebellischer und werfen munter all meine schönen Vorabplanungen über den Haufen.

Haben Sie Vorbilder?

Ich lese immer, täglich, fühle mich vor allem der angloamerikanischen Erzähltradition verbunden. Und doch geht es nie ums Imitieren, sondern darum, den eigenen Weg, die ganz eigene Sprache und Art des Erzählens zu finden. Absolut beeindruckend finde ich die Brontë-Schwestern, die in ihren kurzen Leben in der Abgeschiedenheit eines nordenglischen Pfarrhauses allein mit der Kraft ihrer Fantasie Weltliteratur schufen.

Warum sind Ihre Figuren nicht glücklich?

Vielleicht könnte man besser sagen: Sie streben schon nach dem Glück, aber das ist eben nicht so einfach. Mich interessiert nicht das Glatte, die heile Welt. Ich glaube nicht mal daran. Es geht doch um etwas anderes im Leben: Darum nämlich, dass man weitermacht, auch wenn es mal wehtut. Und dass nichts je nur schwarz oder weiß ist.

Das größte Kompliment Ihrer Leserinnen und Leser?

Sie schreiben und sagen mir immer wieder, dass sie meine Sprache lieben. Und dass ihnen meine Figuren so lebendig erscheinen, wie gute Freunde. Und sie haben tatsächlich fünf Jahre lang auf einen neuen Fall für Judith Krieger gewartet und in der Zwischenzeit mit derselben Begeisterung meine anderen Romane gelesen.

Ihr Tipp für angehende AutorInnen?

Viel lesen. Viel Schreiben. Respekt vor dem Handwerk. Bereit sein, den eigenen Text auch mehrfach zu überarbeiten oder von vorn zu beginnen. Sich Verbündete und – konstruktive – Kritiker und Lehrende suchen, wenn es allein nicht weitergeht. Und vor allem: nicht aufgeben.