„Klönne erzählt sprachlich anspruchsvoll und doch scheinbar mühelos.“

NORDWESTRADIO

10 Fragen

01 • Warum schreiben Sie Krimis?

Mich interessiert, was der Tod mit den Überlebenden macht: Mit den Angehörigen der Opfer, den Tätern und natürlich mit den Ermittlern. Die gesamte Serie mit Judith Krieger und Manni Korzilius ist eine Entwicklungsreise – durch die Fälle, in denen sie ermitteln, müssen sie sich verändern.

02 • Gibt es eine Figur in Ihren Büchern, mit der Sie sich identifizieren?

Gewissermaßen tue ich das mit allen Hauptfiguren, denn beim Schreiben aus ihren Perspektiven bin ich ihnen eine Zeit lang sehr nah. Mit Judith Krieger teile ich zuweilen das Grüblerische, wie sie bin ich ein Nachtmensch. Die Szenen mit Manni Korzilius machen mir am meisten Spaß, weil er den Absurditäten des Lebens mit Wortwitz begegnet.

03 • Woher kommen Ihre Ideen für die Personen und Ereignisse in Ihren Romanen?

Wenn ich das wüsste! Manche fliegen mir beim Joggen oder Musikhören zu, oder im Traum. Andere sind das Resultat längerer Beschäftigung mit einem bestimmten Thema, das mich packt und berührt. Bei NACHT OHNE SCHATTEN ist dies die leider immer noch allgegenwärtige Gewalt gegen Frauen. In UNTER DEM EIS war es Mobbing.

04 • Wie lange recherchieren Sie für Ihre Romane?

Das ist sehr unterschiedlich. Rechts- und kriminaltechnische Details lassen sich oft in einem Telefonat klären. Insgesamt benötige ich einige Monate, bevor ich mit dem Schreiben beginne. Manchmal fließt auch älteres Wissen mit ein. So ist die Försterin Diana Westermann in DER WALD IST SCHWEIGEN entstanden, weil ich als Journalistin Reportagen über Försterinnen schrieb.

05 • Wenn Sie sich für bestimmte Schauplätze und Milieus entschieden haben, recherchieren Sie dann auch vor Ort?

Ja, auf jeden Fall. Ich frage und forsche solange, bis ich verstehe, was auf den ersten Blick verborgen bleibt. Nur so kann ich im Roman eine Atmosphäre schaffen, die echt wirkt und fesselt.

06 • Sind Sie für „Nacht ohne Schatten“ extra nach Russland gereist?

Nein, aber ich war vor einigen Jahren mehrmals an den Orten, die ich beschreibe, noch als Reisejournalistin. Es stellte sich schnell heraus, dass ich ganz andere Fragen stellte, als meine Kollegen vom Fernsehen. Wann immer es ging, habe ich mir eine der Dolmetscherinnen geschnappt und mit den ganz normalen Frauen über ihre Leben gesprochen.

07 • Kann man Manni und Judith eigentlich als Team bezeichnen?

Auf jeden Fall, sie ergänzen sich wunderbar. Und prinzipiell haben sie im Laufe der ersten drei Romane gelernt, das einzusehen und sich zu mögen. Es bleibt ihnen ja auch nichts anderes übrig, ihr Chef besteht nun mal darauf, dass sie gemeinsam ermitteln. Reibereien wird es aber auch in Zukunft geben. Sie sind eben starke Persönlichkeiten – und sehr verschieden.

08 • Die Protagonisten Ihrer Bücher sind eigentlich fast alle Opfer – auch die Täter. Was interessiert Sie so sehr an der Opfer-Perspektive?

Vielleicht könnte man besser sagen: Meine Protagonisten sind Menschen mit einer Geschichte, die nicht immer rosig war. Und sie reagieren darauf in unterschiedlicher Weise, genau so, wie es reale Personen tun. Mich interessiert nicht das Glatte, die heile Welt. Viel lieber erfinde ich Figuren mit Ecken, Kanten, Verletzungen, Narben – und beschreibe, wie sie es schaffen, damit zu leben.

09 • Wie gelingt es Ihnen, sich in unglückliche Figuren hineinzuversetzen?

Das finde ich nicht so schwer. Ich kenne niemanden, mich selbst eingeschlossen, der immer glücklich ist oder nicht schon mal harte Zeiten zu überstehen hatte.

10 • Welche Reaktionen erhalten Sie von Ihren Lesern?

Sie schreiben und sagen mir immer wieder, wie sehr ihnen meine Sprache gefällt und dass Ihnen meine Figuren so lebendig und nah erscheinen wie gute Freunde.