SCHAUPLATZ RUSSLAND
Romanschauplatz Krimi

„Solowetzkij. Die Insel im weißen Meer. Am Ende des Meers, hat sie früher gedacht. Es gab dort eine riesige Klosteranlage mit Zwiebeltürmen und meterdicken Schutzmauern. Man sah sie von den meisten Punkten der Insel aus, und wenn man mit dem Boot herausfuhr, wirkte es manchmal so, als sei die Klosteranlage nicht ganz von dieser Welt und schwebe über der Insel.“

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„Ekaterinas Eltern lebten in einem der Holzhäuser, die sich in der Nähe des Hafens aneinanderdrängten und mit jedem Sturm ein bisschen schiefer wurden. Die Eltern redeten wenig und lachten noch seltener. Ihre Augen suchten immer wieder das Meer, als ob sie vor etwas fliehen wollten.“

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„Die Stämme der Birken blitzten hell, wenn die Sonne zwischen den Wolken hervorbrach. Jede der Birken besaß statt einen einzigen eine Vielzahl von Stämmen, die sich in bizarren Windungen umeinander krümmten und weit verästelten. Sie tanzen, sagte Ekaterinas Mutter, die Bäume tanzen einen Reigen mit dem Wind. Doch insgeheim war Ekaterina davon überzeugt, dass die Bäume gar keine Bäume waren, sondern Geisterwesen.“

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“Geh, Katja, sagte Ekaterinas Mutter am Nachmittag, als das Licht schon wieder zu schwinden begann. Geh ein Weilchen draußen spielen, Papa ist müde. Der Wind war Eis und ließ das Springseil, das Ekaterina hinter sich herzog, im Nu so steif gefrieren, dass sie nichts mehr damit anfangen konnte. Der Schnee auf dem Boden sah grau aus, grau wie der Himmel. Man konnte nicht erkennen, wo die Insel aufhörte und das Meer begann.“

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„Es gibt da nicht viel. Lange, kalte, dunkle Winter. Taiga. Die große Weite, in der einst das Volk der Sami umherzog. Bis die Grenzen sich schlossen und die russischen Sami von ihren Verwandten in den Nachbarländern getrennt waren, um dann zu modernen, zivilisierten Menschen geformt zu werden, in Lager gesperrt, ihrer Sprache beraubt und damit ihrer Identität. Das ist natürlich nicht nur in Russland geschehen, doch Stalins Schergen waren bei ihrer Vernichtung besonders effektiv.“

NACHT OHNE SCHATTEN
© Gisa Klönne