SCHAUPLATZ SAMOS
Romanschauplatz Krimi

„Zikaden sägen, der ganze Hain ist ein einziges Sirren und Rufen. Wie oft hat sie schon mit Angehörigen von Opfern gesprochen, und sich gewünscht, dass es einen Trick gebe, Fragen, die nicht wehtun, jedenfalls nicht so sehr. Aber es geht niemals gut, egal wie man es anstellt. Weil nicht die Worte unerträglich sind, sondern die Tatsachen. “

Romanschauplatz Krimi

„Ein gedrungenes Steinhaus mit grün getünchten Läden und Türen. Eine überdachte Veranda mit Holztisch und Stühlen und Hängematte. Scheune und Schuppen. Uralte, knorrige Oliven, die alles mit lichthellen Schatten überziehen. Doch es hat nichts Romantisches mehr, nicht nach dem, was Judith Lea nach einem weiteren Telefonat mit Manni eröffnet hat.“

Romanschauplatz Krimi

„Der Sand unter ihren Füßen ist kühl. Ein paar Boote dümpeln am Ufer, das Meer schimmert silbrig und ist so klar, dass sie Fische erkennen kann und bunte Kiesel am Grund, und es ist wunderbar frisch, nicht zu warm, nicht zu kalt.“

Romanschauplatz Krimi

„Als sie zurück in ihr Zimmer kommt, wartet auf dem Balkon die Katze auf sie. Jetzt im Hellen erkennt Judith erst, wie lustig sie aussieht. Ihr Kopf ist grau getigert, doch vom Hals abwärts verwischt das Muster zu gelben, orangeroten und braunschwarzen Flecken. Eine dreifarbige Katze, eine Glückskatze.“

Romanschauplatz Krimi

„Der Trampelpfad macht noch eine letzte Wendung, dann endet er direkt am Rand der Klippen in einer schattigen Nische. Ein geheimer Ort ist dies. Nur der Wind ist da, ein warmes Streicheln, das Rauschen der Wellen, die Weite.“

Romanschauplatz Krimi

„Sie sitzt sehr still und blickt weiter auf die Ägäis, die zu leuchtend ist angesichts dieser Trauer, viel zu schön. Aber vielleicht ist es auch anders, denkt Judith, vielleicht ist diese lichtflirrende Weite überhaupt die einzige Möglichkeit, Schmerz zu ertragen, gerade weil sie so stoisch weiter existiert, so dass alles Menschliche an Bedeutung verliert.“

Romanschauplatz Krimi

„1943 hat eine deutsche Fliegerstaffel Samos bombadiert. Zuvor hatten die faschistischen Besatzer in den Bergen der Insel schon griechische Partisanen massakriert. Doch die Spuren davon sind längst unsichtbar. Der Ort Pythagorio entpuppt sich als weißes Touristenidyll, das sich um ein rundes Hafenbecken schmiegt. ‘Immer die Nazis’, sagt Maria zum Abschied. ‘Immer noch müssen wir mit ihren Schatten leben, egal ob in Deutschland, oder hier.’ “

Romanschauplatz Krimi

„Stille empfängt sie auf dem Gelände der Festungsruine. Hinter einem Spalier aus Zypressen mit weißgekalkten Stämmen verbirgt sich ein Friedhof. Die Grabstätten sind aus weißem Marmor gemauert, genau wie die Kreuze. In gläsernen Vitrinen präsentiert jedes Grabmal ein ewiges Licht, Blumen aus Plastik und ein Bild des Verstorbenen. Ich kann Jonas doch nicht unter einer Marmorplatte begraben, hat Lea gesagt. Er wollte doch frei sein, er liebte den Wind.“

NICHTS ALS ERLÖSUNG
© Gisa Klönne